Inventaria

Deciphering the Semantic Worlds of Castle Inventories in the Historical Tyrol

The Making of Inventories as Social Practice

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Inventar der Burg Thaur, 1487, Tiroler Landesarchiv, Inventare A 49.6

Inventar der Burg Rattenberg, 1534, Tiroler Landesarchiv, Inventare A 83.3

Dinge

haben Konjunktur

 

Willkommen auf der Projektseite von Inventaria!

Unser interdisziplinäres und universitätsübergreifendes Forschungsvorhaben widmet sich der faszinierenden Frage, wie das Leben auf mittelalterlichen Burgen in historischen Tirol aussah. Dazu nutzen wir historische Inventare als Schlüsselquellen und blicken durch das Schlüsselloch ins Innere ausgewählter Burgen im historischen Tirol.

Inventare sind Listen, die Aufschluss über die Auf den Burgen vorhandenen Möbel und Gerätschaften geben. Diese Listen wurden oft bei Besitzwechseln oder Änderungen in der Verwaltung angelegt und bieten einen authentischen Einblick in die damalige Lebenswelt.

Unser Projekt erforscht, wie diese Gegenstände erfasst, beschrieben und katalogisiert wurden, welche Räume inspiziert wurden und welche vielleicht außen vor blieben. Dabei interessiert uns insbesondere, wer die Menschen waren, die an diesen Prozessen beteiligt waren.

Inventaria betrachtet diese Inventarlisten als historische Texte, die nicht nur Objekte und Räume nennen, sondern ganze Geschichten erzählen.

Sie gewähren uns wertvolle Einblicke in die Alltags- und Sozialgeschichte sowie die damit verbundenen Handlungen, Gefühle, Erinnerungen, Wissensbestände und Sinneserfahrungen der Menschen jener Zeit.

Solche Inventare haben sich für die Burgen aus dem Raum des historischen Tirol bereits für die Zeit des 14. bis 16. Jahrhunderts in bemerkenswerter Menge erhalten: Dank der Verwendung von Transkribus, einer fortschrittlichen KI-basierten Plattform zur Texterkennung historischer Handschriften, bearbeiten wir über 130 Inventare aus dieser Zeit. Durch die semantische Modellierung dieser Daten mithilfe von Graphen eröffnen wir neue Wege der Analyse, die sowohl die Inhalte als auch die materielle Form dieser Dokumente erschließen.

Inventaria trägt nicht nur zu einem tieferen Verständnis der Inventarisierungspraxis und der sozialen Bedeutung von Räumen und Objekten und den damit verbundenen Menschen bei, sondern entwickelt auch innovative Methoden in den Bereichen der Digital Humanities sowie der Objekt- und Praxisgeschichte, die über die Grenzen Tirols hinaus Anwendung finden können.

Entdecken Sie mit uns die verborgenen Geschichten der mittelalterlichen Burgen Tirols.

Unser Projektziele

 

Aktualisierte Edition

Aufbauend auf dem bekannten Werk von Oswald von Zingerle (Hg., Mittelalterliche Inventare aus Tirol und Vorarlberg, Innsbruck 1909) arbeiten wir an einer neu bearbeiteten Edition der Tiroler Burginventare. Mit modernen Methoden bearbeiten wir dafür die Inventare von Burgen wie die Burgruine Thaur, Rattenberg, Schloss Tirol, Castel Pergine, Heinfels, Tratzberg, Runkelstein u.v.m. 

Historisch semantische Erschließung

Wir erschließen die Inhalte der Inventare historisch und semantisch und verwenden dafür state-of-the-Art digitale Technologien, wie Transkribus, CIDOC CRM, SKOS. Dadurch gewinnen wir neue Informationen darüber, wie sich die Praxis des Inventarisierens entwickelt hat. So können wir mit diesen Quellen mehr über das soziale Leben in Burgen und die Geschichte Tirols erfahren.

Erkenntnisse über Tirol hinaus

Neben Einblicken in die Tiroler Geschichte ergeben sich aus unserer Arbeit auch allgemeine Erkenntnisse: Wir entwickeln Methoden und Aufbereitungstechniken zur Erschließung historischer Inventare. Durch den Einsatz digitaler Methoden werden Untersuchungen zur materiellen Kultur und zur Unterscheidung von Räumen in Burgen, insbesondere unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte möglich. Wir erwarten neue Erkenntnisse über die Entwicklung der materiellen Kultur vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, auch im Kontext einer möglichen Konsumrevolution in dieser Zeit.